Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Ford Model T mit einem Ethanolantrieb entworfen, allerdings geriet die Idee dank des Erdölbooms auch schnell wieder in Vergessenheit.
Bioethanol entsteht durch Gärung aus Kartoffeln, Zuckerrohr, Mais oder Getreide und kann aufgrund seiner Eigenschaften ähnlich eingesetzt werden wie Kraftstoffe auf Erdölbasis, ohne das spezielle Motoren benötigt werden. Einzig der Verbrauch ist um rund ein Drittel höher, da der Energiegehalt von Ethanol niedriger ist als beim Benzin.
Mitte der 1970er Jahre wurde dann in Brasilien während der Ölkrise das Programm „Proálkool“ gestartet, um fossile Kraftstoffe durch Ethanol zu ersetzen.
Grund dafür war die Tatsache, dass sich immer weniger Brasilianer bei den steigenden Erdölpreisen Benzin noch leisten konnten und aus Zuckerrohr hergestelltes Ethanol, bedingt durch niedrigere Produktionskosten, wesentlich preiswerter ist.
Jedes zweite Auto in Brasilien kann sowohl Benzin als auch Ethanol tanken, ist also ein FFV, ein Flexible Fuel Vehicle, und Brasilien war auch lange Zeit marktführend in der Ethanolproduktion.
Diese Führung haben inzwischen die USA übernommen, die Ethanol vorwiegend aus Mais herstellen und dies sogar staatlich gefördert. Denn auch dort gilt, ähnlich wie in Deutschland, die Beimischungspflicht.
Bioethanol ist immer wieder Anlass für „Tank oder Teller“ Diskussionen, und auch der Raubbau des brasilianischen Regenwaldes ist ein Thema. Allerdings versichert der Verband der Zuckerrohrindustrie Brasiliens, dass Zuckerrohr nur in Regionen außerhalb des Regenwaldes angebaut wird. Unter Umständen sind diese Diskussionen allerdings bald hinfällig, da inzwischen längst an der Herstellung von Ethanol aus Zellulose geforscht wird. So blieben die Früchte für den Menschen und der Treibstoff würde aus den Stängeln und Halmen hergestellt.
Schon 2011 sollen in den USA und in China neue Produktionsstätten in Betrieb genommen werden, und auch in Deutschland wird mit dem Bau einer großen Demonstrationsanlage begonnen.
Der Vorteil des in Deutschland angewendeten Herstellungsverfahrens liegt darin, dass die für die Produktion von Ethanol nötigen Enzyme, statt von außen zugeführt zu werden, in der Anlage selbst produziert werden, was Produktionskosten senkt.
Führend in Sachen Bioethanol in Europa ist Schweden. Hier wurde schon vor 5 Jahren ein Ethanolprogramm gestartet und eine große Zahl an Ethanoltankstellen ist in dem skandinavischen Land vorgeschrieben. Auch wird in Pilotanlagen bereits Ethanol aus Hausmüll und Holzabfällen hergestellt.
In Deutschland gibt es bisher erst 70 Tankstellen an denen Ethanol (E85) überhaupt angeboten wird und es werden bisher auch erst 5 Volumenprozent Ethanol dem Benzin beigemischt.
Es ist allerdings zu erwarten, dass demnächst, vielleicht schon ab Oktober 2010, auch 10 Prozent beigemischt werden können.



